Unter Raben

"Was sind das für Zeiten, wo
 Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
 Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!"
- An die Nachgeborenen, Bertolt Brecht

Das Feld unter Raben und eine Katze im Fenster,
Dick sind die Türen und zu Boden neigen schwere Dächer.
Bei Schwarztee mit Milch und Kandis zu Mittag
Verstummen die Zikaden und wir suchen Schatten unter Blech und Palmen.
Wir warten auf den Abend, auf kühle Luft von
Dem Polarkreis, dass die Wände nicht wässern und unser Haus in Form bleibt.
Die zweite Woche Fisch zum Frühstück,
Zu Mittag und kein Abendbrot – Sag, wie lange noch
Bis Buffalo?

Wir leben zwischen den Wintern und wohnen wo immer
Uns Rosmarin bettet, Königsfischer bezierzen und
Unsere Zehen warme Erde finden.
Dort ist Heimat ist überall,
Von dem kühlen Morgen bis ins warme Abendland.
Dort ist Heimat ist überall,
Vor und hinter dem Stacheldraht.

Wir gehen unter Raben über Grenzen,
Weil uns mehr verbindet, als Draht und Paragrafen trennen.
Du,
Achte heute genau darauf, wo sie geschrieben werden,
Dass du morgen nicht vergisst, ob du ein- oder ausgesperrt bist.

Einsam ist das Feld ohne Raben und blind sind die Fenster ohne Katzen.
Ich würde gerne bleiben und dem Morgennebel Umriss geben,
Von dem Feld die Vögel jagen und den Jägern winken.
Doch der Tee wird Kraut und Wasser bleiben,
Milch und Kandis bitter werden und
Mit Buffalo im Rücken, den Hosen in Fetzen und blutenden Händen,
Ziehe ich weiter Richtung Westen.