Stadt, Land, Fluss – Teil 3

Teil 3 – Fluss

„From the river bed
To the water’s edge –
High tide.
Something’s stirring,
You feel it on your skin.
Down river it lies.“
– Gravenhurst – Down River

Gletschermehl färbt dich türkis, wild sprudelst du vor Energie.
Dein Rauschen ist ein Störsignal, nichts der Welt kommt bei mir an.
„Du bist so unverdorben, wasche mich von meinen Sorgen!“
Aber kaum hinein gestiegen, werde ich schon abgetrieben.

„Falsche Richtung, ich will nicht zurück!
Wie soll ich je die Quelle erreichen, wenn ich doch nur abwärts treibe!
Ich habe dich missverstanden, wir sprechen nicht dieselbe Sprache.
Gib mir meine Kleider wieder, ich steige aus und laufe weiter.“
Dafür ist es zu spät,
Aber wenigstens habe ich Gesellschaft.
Neben, vor und hinter mir – Treiben alle anderen.

Hier und da ein gutes Gespräch, aber am liebsten rede ich
Mit mir selbst.
Die Menschen und ihre Kämpfe, ihre Sorgen und Geschäfte,
Sind nicht meine.
Ach, was kämpfe ich denn gegen die Strömung?
Es ist ihre Natur, ich nehme es nicht persönlich.
„Leichter bin ich nie gewesen, leerer war ich nie.“
Sage ich / Während mein Körper im Wasser
Blasser wird.

Da schreit die Erinnerung an besseres Leben:
So darf es nicht enden, ist das alles gewesen?
„Nein, du widerliches Fliessgewässer, mit dir mache ich keinen Frieden!
Erst staue ich dich zum Überlauf, dann werde ich dich trocken legen!“
Mit letzter Kraft erreiche ich das Ufer,
Da höre ich den Fluss einen Gruß mir flüstern:

„Lass uns Schach spielen im Schlamm,
Hier, am Ufer bei Nacht.
Wir treffen uns heute Abend
Und tauschen unsere Namen.“

In der Blüte verbrennen, nicht langsam verwelken. Das Universum mit einem Biss verschlingen und mit vollem Mund „Down River“ singen.
Da waren zwei, die waren eins.
Dann war dort noch einer, aber allein
War er keiner.

Ich bin weder, ich bin noch,
Bin sowohl, als auch.
Ich war, werde und bin es schon,
– Hallo, mein Name ist
– Jean Ricon

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