Wohlplatziert

Über zwei Reihen Straßenlampen,
Die dem Abend zum Abgang ihre Lichter halten,
Schleift eine graue Nacht in den Himmel.
Ihr im Rücken starren breite Häuserfronten
Einander in die leeren Spiegel.
Die paar da unterwegs und darunter,
Streifen umeinander und verschwenden sich keine Blicke.
Sie wandern gerade, doch nicht aufrecht,
Entschieden, aber ohne Entschluss und
Sprechen sich aus Gedanken
Mut in Monologen zu.

Gestern ist aus dem Griff, morgen kaum in Sicht.
Was du noch würdest und gewesen bist – Lass los.
Nur den Moment um uns halten wir gemeinsam aus dem Strom,
Nur an ihm gleichen wir uns.

Je weiter entfernt, desto schärfer muss mein Ziel sein.
Umso unbestimmter, desto deutlicher die Antwort auf:
Wie lebe ich, das ich nicht murrend sterbe?
Wie leben, mich nicht schweigend in die Nacht zu legen?
Heute bin ich noch unsterblich genug, größer zu reden als ich bin.
Noch bin ich dreist genug zu glauben,
Ich könnte aus dem Tag gehe, ohne noch einen zu brauchen.

Du, ich und die paar da unterwegs finden ihre Ziele.
Wer unterwegs ist, kommt an und
Wer da ist weiß wie es weitergeht.
Seelig sind sie vor den ersten Schritten.
Gnade denen, die gegangen werden.
Vorsicht vor dem, der aus Überzeugung steht.
Unter den Reihen der Befeuerung,
Gegenüber dem Fluchtpunkt und
Zu beiden Seiten gespiegelt,
Bin ich wohlplatziert; Glücklich
Über jeden, den ich unterwegs wiedersehe.

 

What’s more valuable

Wer nicht als Idealist kommt, hat hier nichts zu suchen und wer einer bleibt, der hat nichts gefunden.

Ich sag ja immer:
Du musst mitnehmen, was dir passt, was dir steht, was dir gefällt, was du dir leisten kannst, was nicht sofort aubleicht und auch morgen noch hält, was das öffentliche Ärgernis glücklich stimmt, was dich nicht ins Gefängnis bringt und deine Zähne nicht gefährdet. Was kost’ das jetzt, 24,99? Und runtergesetzt? Nimm’ mit, Mensch!

Die Sonne schlägt zur Mittagszeit mit 34°C auf den Schlosspark, sagt Vater zu seinem keinen Meter hohen Nachwuchs: “Du musst auch mal lernen, nur mit den Augen zu erfahren!” Nachwuchs lässt sich auf den Boden sinken und kühlte sein Gesicht am Kies. Ich komme ja aus Minusgrad, mir gefällt es hier.

Interlinked processes:
1. Science is converging on an all-encompassing dogma, which says that organisms are algorithms and life is data processing.
2. Intelligence is decoupling from consciousness.
3. Non-conscious but highly intelligent algorithms may soon know us better than we know ourselves.

Key questions raised:
1. Are organisms really just algorithms, and is life really just data processing?
2. What’s more valuable – intelligence or consciousness?
3. What will happen to society, politics and daily life when non-conscious but highly intelligent algorithms know us better than we know ourselves?

Wer nicht als Idealist kommt, hat hier nichts zu suchen und wer einer bleibt, der hat nichts gefunden.

Nicht satt genug

(1) Sie raucht, ich schreibe Gedichte. Immer nur,
Wenn uns etwas fehlt. Ich fluche, sie versteht nicht weswegen.
Niemals nicht, weil sie doppelt verneint, sondern weil
Sie es nicht einmal versuche. Denke ich.

(2) Wir sind satt, aber woran? Nicht an dem
Halogen gegen warme Felsen und Kapellen bei Nacht,
Nicht an den knackenden Grillfleischplatten.
Am wenigstens am Verständnis.
Gott, haben wir Hunger danach!

(3) Wir sind fast dort, aber haben vergessen, warum.
Der Weg ist zu schön, um ein Ziel im Auge zu behalten.
Wir streichen Zeit in Räume und sagen, Schmand ist Gold.
Wir streiten über dieselbe Meinung aber äußern keine.
Da ist ein Aussichtspunkt, wir halten unsere Augen geschlossen,
und küssen uns.

Stacheldraht

Sie haben dich ins Feld geschrieben, zu Strauch und Distel,
Deine Füße betoniert und die Haare scharf geschnitten.
Steht dir gut,
Wie du pflichtbewusst die Luft zwischen den Nationen siebst und
Unter den Acker bringst, wer seine Sporen nicht verdient.

Stacheldraht,
König der Zäune mit Dornenkrone,
Schlitzer der Hosen und Hoffnungslosen,
Steh’ stramm um unser Vaterland!
Die Schwesterstadt ist abgebrannt und
Hinter dir die Grenze dicht gemacht.
Stacheldraht, werde jetzt nicht schwach!
Zu beiden Seiten kauern die Waisen und warten
Auf den Moment, dich zu schneiden. Bleib’ tapfer,
Schon der Rhetorik zum Trotz und mach dir nichts draus:
Sie würden nicht weniger reden, wärst du doppelt so hoch
Oder gar nicht erst dort.

Stacheldraht, glaube nicht, was du im Fernsehen siehst!
Die Nachrichten sind verlogen wie die Gleise verbogen,
Über die täglich volle Züge rollen.
Wir prügeln uns schon um die Fracht, die niemand haben will!
Die Frage ist: Wohin liefern, wenn im Adressfeld
“so weit fort wie möglich” steht und
Der Absender unbekannt verstorben ist?

Stacheldraht,
Wenn du schon da stehst und Luft siebst,
Dann bitte deine Passanten zum Aderlass.
Wir brauchen Reserven für Transfusionen,
Keinen Exitus intus und vermüllte Wanderrouten!
Denn auch, wenn Sie es nicht wussten, aber
Wir bluten im Inland schon genug –
Dabei sind wir aber am liebsten unter uns.
Ohne der Gott Geliebten im Nacken,
Dem Urteil der Freunde von allen Flanken und
Meinungen in unbekannten Sprachen!
Ach Stacheldraht, dann mach doch,
Was du weder tun, noch lassen kann.

– –

Europa, du Diva.
Wer waren deine Eltern?
Haben sie dir in die Ruinen der Hölle denn kein Bett gebaut?
Haben sie dir aus Blut und Schweiß kein Kleid geweint?
Dich nicht im Staub getauft oder
Dir aus ihrem Rückgrat Brücken über Schrott gebaut?
Dir singt ein Chor Sirenen Morgenlieder, jeden Morgen wieder,
Dass du nicht vergisst und dich erinnerst,
Wovor sie flohen, wenn sie konnten.

Europa, jetzt gehst du wieder!
Wo bist du, wenn nicht in der Heimat? Was machst du,
Wenn du spät aus bleibst? Glaub mir, dein Stier ist bald leid,
Dich über den Schlamm zu galoppieren. Stell dir mal vor,
Du würdest da stehen und zu weißen Füßen aufblicken!

– –

Völker,
Setzt euch locker.
Wir haben genug Kartoffeln und Wein für den Export.
Wir haben Haloumi in der Piñata und frische Mode aus Containern.
Wir drehen Fallschirme aus Brezeln und strecken unser BIP mit aberkannten Titeln,
Wir pilgern in Schleife um Minaretten und drehen Maiglöckchen für den Frieden.
Wir reden gegen Wände, in goldene Kelche und diskutieren aus tiefen Sesseln
Ein Leben in Zelten.